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Veranstaltungen und Mediathek

Tipp

Für alle Veranstaltungen des Literaturhauses Heilbronn gilt: Maskenpflicht auf dem Veranstaltungsgelände, Test-, Impf- oder Genesenennachweis und nach Möglichkeit Abstand halten

September

15 Uhr im Literaturhaus

Schon seit Generationen leben die protestantische Kaufmannsfamilie Dortenbach und die jüdische Fabrikantenfamilie Martell in der kleinen württembergischen Weinstadt. Fest und liebevoll verbunden fühlen sich Claudia Dortenbach und ihr Jugendfreund und späterer Ehemann, der Rechtsanwalt Dr. Helmuth Martell, daher Land und Leuten, Natur und Kultur ihrer schwäbischen Heimat. Familie, Kinder und Karriere laufen in den vorgezeichneten und gewünschten Bahnen: Die Martells fühlen sich sicher und zufrieden. Umso fassungsloser und anfangs wie betäubt erlebt Claudia Martell sodann das Erstarken und die Etablierung des Nationalsozialismus in der kleinen Stadt, die rasante Entfremdung und abrupte Abkehr von ihr einst vertrauten Menschen, langjährigen Freund:innen und Vereinskamerad:innen, ja engsten Familienmitgliedern unter dem wachsenden Einfluss der NS-Diktatur. Erst allmählich vermag sich die junge Frau aus ihrer inneren Lähmung zu lösen; entschlossen und mutig findet sie für sich und ihre bedrohte Familie, den Mann und ihre beiden Kinder, schließlich ihren Weg aus den radikal veränderten Verhältnissen eines ihr fremd gewordenen Landes.

Victoria Wolff wurde 1903 als Tochter eines jüdischen Lederfabrikanten in Heilbronn geboren. Sie verfasste Reportagen und Reiseerzählungen für renommierte Zeitungen und Zeitschriften, bereiste als Reporterin halb Europa und das revolutionäre Russland. 1932 veröffentlichte sie einen biographischen Roman über George Sand; weitere Romane über die Lebenswelten moderner Frauen folgten. 1933 emigrierte sie mit ihren Kindern aus Deutschland und ließ sich im Künstlerort Ascona nieder. Sie veröffentlichte nun vor allem in der Schweiz, musste das Land jedoch 1939 wegen ihrer illegalen schriftstellerischen Tätigkeit verlassen. Über Nizza und Lissabon gelangte sie 1941 in die USA, wo sie als Drehbuchautorin für Hollywood arbeitete. Sie starb 1992 in Los Angeles.

Der Roman »Gast in der Heimat« erschien Ende 1935 im renommierten Amsterdamer Exilverlag Querido. 1936 wurde er mit dem »Nachtrag I zur Liste 1 des schädlichen und unerwünschten Schrifttums« indiziert und in Deutschland verboten. 85 Jahre nach seinem Verbot erscheint der Roman nun erstmals bei AvivA als deutsche Buchausgabe mit einem informativen und aufschlussreichen Nachwort von Anke Heimberg, die bei uns aus dem Roman lesen wird. Zu Gast ist ebenfalls Verlagsleiterin Britta Jürgs, die mit ihrem Verlag AvivA (von hebr. "Frühling") vor allem vergessenen weiblichen Autorinnen eine Stimme gibt.

 

Mit musikalischer Begleitung: 

 

Mitwirkende der Violinklasse Dan Talpan:

Alexandra Fritzsch Violine

Louisa Oppawsky, Violine

 

mit den  Werken:

1. Aleksey Igudesman (*1973): "The Crazy Bride"

2. Aleksej Igudesman (*1973): "Wedding Thing"

3. Aleksej Igudesman (*1973): "La Petite Valse"

Tickets gibt es für 5 € hier

19 Uhr im Literaturhaus

Heinrich von Kleists (1777–1811) Verhältnis zum Judentum ist ähnlich rätselhaft wie sein übriges Leben und Schreiben. So hat er sich in seinen Werken und Briefen an keiner Stelle explizit über das Judentum, über Jüdinnen und Juden geäußert. Allerdings fällt auf, dass ein zeitweise derart militant anmutender patriotischer Dichter im Gegensatz zu einigen berühmten Schriftstellerkolleg*innen in seinen Werken keine antisemitischen Klischees bedient, sondern z. B. Gotthold Ephraim Lessing, vor „Nathan der Weise“, positiv zitiert. Trotzdem bleibt seine Position äußerst ambivalent: Einerseits ist er regelmäßiger Gast im literarischen Salon Rahel Levins, deren späterer Ehemann Karl August Varnhagen von Ense für die Überlieferung wichtiger Handschriften und Dokumente von und zu Kleist verantwortlich ist. Andererseits nimmt Kleist an Treffen der antisemitischen „Deutschen Tischgesellschaft“ teil. Der Vortrag beleuchtet dieses spannungsvolle Verhältnis und wirft auch einen kurzen Blick auf Kleist als eine Art Identifikationsfigur unter jüdischen Intellektuellen im 19. und 20. Jahrhundert.

Ingo Breuer, geboren 1962, Promotion 2001, ist Studienrat im Hochschuldienst für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Köln. Er ist u.a. Herausgeber des Kleist-Handbuchs und war mehrere Jahre Mitherausgeber des Kleist-Jahrbuchs

Preis: 5 €, Tickets hier reservieren

Tagung mit Lesungen (von Ulrich Maier und Hermann Bausinger)

Alle Informationen zur Tagung hier:

Lesungen mit Ulrich Maier und Prof. Dr. Hermann Bausinger

Oktober

Ein Buch über Freundschaft und Poesie - und das erste große Porträt über Ludwig Amandus Bauer, den ersten König von Orplid.
Sommer 1825. Zwei Tübinger Studenten entdecken während eines gemeinsamen Tagtraums die Südseeinsel Orplid – einen poetischen Ort, der sie ein Leben lang nicht loslässt. Kurt Oesterle schenkt dieser merkwürdigsten Erscheinung der deutschen Literatur Konturen und erzählt von der besonderen Freundschaft ihrer Schöpfer Ludwig Amandus Bauer und Eduard Mörike. Dazu zeigt Michael Klenk Werke aus seinem großen Orplid-Zyklus: unerreichbare Inselgebilde aus Gold und Feuer.

Geboren 1955, hat Kurt Oesterle seit seinem Debütroman "Der Fernsehgast oder Wie ich lernte die Welt zu sehen" (2002) viele Bücher veröffentlicht. Zuletzt "Die Erbschaft der Gewalt. Über nahe und ferne Folgen des Kriegs" (2018) und "Wir & Hölderlin? Was der größte Dichter der Deutschen uns 250 Jahre nach seiner Geburt noch zu sagen hat" (2020). Er wurde ausgezeichnet mit dem Theodor-Wolff-Preis, dem Berthold-Auerbach-Preis und dem Ludwig-Uhland-Förderpreis.

Tickets in Kürze hier: https://diginights.com/literaturhaus

Um 20.00 Uhr im Literaturhaus

E.T.A. Hoffmann, Mary Shelly, Bram Stoker, Oscar Wilde, Stephen King – Viele Schriftsteller:innen haben sich auf das dunkle Gebiet der Schauergeschichten vorgewagt, doch kein Name wird so sehr mit dem Horror als literarischem Genre verbunden wie der von Edgar Allan Poe. Der 1809 in Boston geborene Poe erforscht in seinen Erzählungen und Gedichten die Abgründe der menschlichen Existenz und verbindet so das Schaurige mit dem Pathologischen. Damit liefert er die perfekten Zutaten für eine wahrlich gruselige Lesung.

Begleiten Sie uns am Abend von Halloween in die dunkle Welt von Edgar Allan Poes Geschichten. Im einmaligen Ambiente des Trappenseeschlösschens lassen wir Poes literarische Geister auferstehen und verbringen ein Halloween mit den schaurig-schönen Geschichten von dem Meister des Horror, Edgar Allan Poe.
 

Tickets gibt es für 10 € hier 

November

18 Uhr im Literaturhaus

Jede und jeder weiß, was es heißt, sich zu fürchten. Oder doch nicht? In dem berühmten Märchen der Brüder Grimm „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“ macht sich der jüngste Sohn auf die Suche nach dem Geheimnis des Gruselns. Zusammen mit euch wollen wir ihm folgen und in einer Lesung von drei Märchen der Brüder Grimm herausfinden, wie man sich richtig gruselt. 

Seid dabei, wenn ihr euch traut!

Tickets gibt es für 5 € hier

Andershimmel: ein anrührender, ein poetisch-sensibler Roman von starker erzählerischer Kraft, gleichsam ein schwäbisches Geschwister von Deborah Feldmans berühmt gewordenem Roman Unorthodox. Ein Roman über das Andere in uns – das andere Geschlecht, die anderen Heimaten, die anderen Religionen, die anderen Himmel. Welten prallen aufeinander – christliche und muslimische, amerikanische und deutsche, pietistische und weltliche, wissenschaftliche und spiritistische, und dabei geht es um Menschen in ihrem Ringen um Liebe und Verbundenheit, in ihrer Sehnsucht nach Erlösung.
 

Peter Blickle, 1961 in Ravensburg geboren, aufgewachsen im oberschwäbischen Wilhelmsdorf, ist Professor emeritus für deutschsprachige Literatur und Gender and Women’s Studies an der Western Michigan University in Kalamazoo/USA. Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen und als Mitglied im PEN International veröffentlichte Peter Blickle 2014 bei Klöpfer & Meyer den Roman ›Die Grammatik der Männer‹.

Diese  Veranstaltung ist eine Kooperation des Literaturhauses Heilbronn mit der Katholischen Erwachsenenbildung Heilbronn (keb).

Tickets für 10 € unter: https://diginights.com/literaturhaus 

Das Theater im "Dritten Reich" war keine monolithische Einrichtung. Der Vortrag wird eingangs zeigen, dass mehrere Akteure mit unterschiedlichen, zum Teil gegensätzlichen Vorstellungen die Theaterpolitik zu lenken versuchten. Im Hauptteil geht es dann um zwei Autoren, die jeweils für eine der Theaterästhetiken stehen. Curt Langenbeck ist ein Vertreter der neuklassischen Tragödie, wie exemplarisch an seinem Drama "Das Schwert" gezeigt werden soll. Eberhard Wolfgang Möllers "Das Frankenburger Würfelspiel" repräsentiert die Gattung des Thingspiels, eine Massenveranstaltung, die das Verhältnis von "Führer" und "Gefolgschaft" veranschaulicht.

Kai Köhler, geboren 1964, literatur- und politikwissenschaftliches Studium in Marburg, dort Promotion über die Germanistik im Dritten Reich. Er war 2002-2007 Gastprofessor an der Nationaluniversität Seoul und lehrte bis 2012 an der Hankuk University of Foreign Studies. Seitdem lebt er als Publizist in Berlin; neben Forschungsbeiträgen und Kurzgeschichten zahlreiche Literatur-, Film, Musik- und Theaterkritiken. Arbeitsschwerpunkte sind die Literatur des 20. Jahrhunderts, insbesondere Peter Hacks (Herausgabe der Tagungsbände der Hacks-Gesellschaft seit 2008, seit 2016 Hacks Jahrbuch), Literatur und Nationalismus, Musik und Politik sowie Kriegsgeschichte und –theorie.

Eine Kooperationsveranstaltung mit der Internationalen Peter Weiss-Gesellschaft.

Tickets in Kürze hier: https://diginights.com/literaturhaus

Weitere Informationen folgen bald an dieser Stelle...

»Lieben« bildet den Abschluss von Tomas Espedals auf zehn Bände angelegtem autobiografischem Projekt. Auch Jahre nach der in »Wider die Natur« geschilderten Trennung von seiner Geliebten ist es dem Ich-Erzähler nicht möglich, ein glückliches Leben zu führen. Er beschließt, sich auf das zu freuen, was ihm noch bleibt: den guten Tod. Die Frage danach, wie, wo und wann dieses Sterben stattfinden soll, nimmt ihn immer mehr in Beschlag. Gerade auf dem Weg zu seinem Selbstmord, stellt er fest, dass er nicht als jemand in Erinnerung bleiben will, der seinen Rasen nicht mäht. Kurzerhand gibt er sich noch genau ein Jahr zu leben. Und obwohl er sicher war, er hätte schon alles erlebt, gesehen, gefühlt, gewonnen und verloren, merkt er bald, dass dieses Jahr sein intensivstes werden wird. Als er sich nach einer Reise mit Freunden allein auf den Rückweg machen möchte, schließt sich ihm unverhofft jemand an …

Verfasst in einer kunstvollen Variation der Ich-Perspektive, zieht Espedals »Lieben« die Bilanz eines wilden und poetischen Lebens, das nach zahlreichen Entbehrungen immer dann mit den glücklichsten Wendungen aufwartet, wenn es schon längst keine Hoffnung mehr gibt.

Tomas Espedal, 1961 in Bergen geboren, gab sein literarisches Debut 1988 mit dem Roman En vill flukt av parfymer (Eine wilde Flucht vor dem Parfüm). Seither veröffentlichte er zahlreiche, mit vielen Preisen ausgezeichnete Romane und gilt neben seinem Freund Karl Ove Knausgård als einer der wichtigsten Schriftsteller Skandinaviens.

Hinrich Schmidt-Henkel, 1959 in Berlin geboren, übersetzt aus dem Französischen, Norwegischen und Italienischen u. a. Werke von Henrik Ibsen, Jean Echenoz, Denis Diderot und Raymond Queneau (zusammen mit Frank Heibert). Für seine Arbeit ist er vielfach ausgezeichnet worden, er erhielt unter anderem den Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis 2015 und den Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie.

 

Tickets für 10 € hier erhältlich

Sonntag, 21. 11. um 16 Uhr im Literaturhaus

Lothat Heinle: Sternengedanken/Klageräume

Reihe: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Hörstück mit Elektronik und Texten von Rose Ausländer, Nora Gomringer, Ruth Klüger, Nelly Sachs und Else Lasker-Schüler – aus Anlass von 75 Jahren Kriegsende und 75 Jahre KZ-Befreiung entstanden. Lothar Heinle, geboren 1965 in Heilbronn, realisierte elektronische Klangkonzepte u.a. für Ausstellungen dreier Ernst Franz Vogelmann-Preisträger. Aufführungen folgten in Schweden, Italien und der Ukraine. 2014 Klanginstallation „stunde 0 / geh…denken“ zum 70. Jahrestages der Zerstörung Heilbronns.

Heinle ist künstlerischer Leiter der „PerspektivenKonzertreihe für Neue Musik“ des Kulturrings Heilbronn e. V

Preis: 5 €, Tickets hier reservieren