Kontrastansicht zur Hauptnavigation zum Hauptinhalt
0

Aktuelle Meldungen

Hier gelangen Sie zur Übersicht aller News

Wenn die eigene Heimat zur Fremde wird

Literaturhaus - neu aufgelegter Roman „Gast in der Heimat“ von Victoria Wolff

Der neu aufgelegte Roman „Gast in der Heimat“ von Victoria Wolff steht am Sonntag, 12. September, 15 Uhr, im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Literaturhaus Heilbronn. Vorgestellt wird der Text von der langjährigen Herausgeberin der Romane der jüdischen Heilbronner Autorin Victoria Wolff, Anke Heimberg, zusammen mit ihrer Verlegerin Britta Jürgs. 85 Jahre nach dem Verbot des autobiografisch geprägten Romans durch die Nationalsozialisten ist er wieder zugänglich, ergänzt um ein Nachwort der Herausgeberin. Der Berliner AvivA-Verlag, in dem bereits unter anderem Wolffs Romane „Das weiße Abendkleid“ und „Die Welt ist blau“ wieder aufgelegt wurden, gibt vor allem vergessenen weiblichen Autorinnen eine neue Stimme.

„Gast in der Heimat“ thematisiert das Leben der protestantischen Kaufmannsfamilie Dortenbach und der jüdischen Fabrikantenfamilie Martell, die in einer kleinen württembergischen Weinstadt leben. Fest und liebevoll verbunden fühlen sich Claudia Dortenbach und ihr Jugendfreund und späterer Ehemann, der Rechtsanwalt Dr. Helmuth Martell, daher Land und Leuten, Natur und Kultur ihrer schwäbischen Heimat. Umso fassungsloser und anfangs wie betäubt erlebt Claudia Martell sodann das Erstarken und die Etablierung des Nationalsozialismus in der kleinen Stadt, die rasante Entfremdung und abrupte Abkehr von ihr einst vertrauten und befreundeten Menschen, ja engsten Familienmitgliedern unter dem wachsenden Einfluss der NS-Diktatur. Erst allmählich vermag sich die junge Frau aus ihrer inneren Lähmung zu lösen; entschlossen und mutig findet sie für sich und ihre bedrohte Familie, den Mann und ihre beiden Kinder, schließlich ihren Weg aus den radikal veränderten Verhältnissen eines ihr fremd gewordenen Landes.

Victoria Wolff wurde 1903 als Tochter eines jüdischen Lederfabrikanten in Heilbronn geboren. Sie verfasste Reportagen und Reiseerzählungen für renommierte Zeitungen und Zeitschriften, bereiste als Reporterin halb Europa und das revolutionäre Russland. 1932 veröffentlichte sie einen biographischen Roman über George Sand; weitere Romane über die Lebenswelten moderner Frauen folgten. 1933 emigrierte sie mit ihren Kindern aus Deutschland und ließ sich im Künstlerort Ascona nieder. Sie veröffentlichte nun vor allem in der Schweiz, musste das Land jedoch 1939 wegen ihrer illegalen schriftstellerischen Tätigkeit verlassen. Über Nizza und Lissabon gelangte sie 1941 in die USA, wo sie als Drehbuchautorin für Hollywood arbeitete. Sie starb 1992 in Los Angeles.

Das Heilbronner Literaturhaus erinnert in seiner aktuellen Ausstellung „Heilbronn-er-lesen“ auch an Victoria Wolff. Unter https://literaturhaus.heilbronn.de/mediathek sind unter anderem zwei Kurzfilme zu Victoria Wolff und ihren Romanen „Das weiße Abendkleid“ und „Die Welt ist blau“ zu sehen.

Tickets für die Veranstaltung sind für 5 Euro unter https://diginights.com/literaturhaus erhältlich.