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Früherkennung von Krisen in der Literatur

Vortrag, Dienstag, 31. Mai, 19 Uhr: Ungehörte Kassandra-Rufe

Das Literaturhaus Heilbronn widmet sich in einer für unsere Gegenwart besonderen literarischen Gestalt: Der vielfach ungehörten Seherin Kassandra. Der emeritierte Tübinger Literaturwissenschaftler Jürgen Wertheimer stellt am Dienstag, 31. Mai, 19 Uhr, im Literaturhaus Heilbronn am Trappensee die vielen Facetten dieser konstant ignorierten Warnerin in der Literatur vor und geht insbesondere der Frage nach, welche Funktion und Bedeutung Literatur bei der Früherkennung von Krisen einnimmt. Wertheimer leitet seit 2017 das dafür ins Leben gerufene „Projekt Cassandra“. Moderiert wird der Abend von Claudia Ihlefeld, Kulturjournalistin bei der „Heilbronner Stimme“.

Der Name „Kassandra“ ist Chiffre für einen unserer größten Verhaltensdefekte – unsere Unfähigkeit oder Unwilligkeit berechtigte Warnungen wahrzunehmen. Warum sonst hätte man in der „Ilias“, der Basisgeschichte Europas, diese Figur eingeführt: eine Seherin, die die Gefährdung klar erkennt, der aber keiner Glauben schenkt. Weil sie seither völlig zu Unrecht den Ruf einer Unheilsbotin hat, steht sie im Zentrum des Vortrags: Ihre Voraussagen waren richtig – die Reaktionen darauf waren falsch. Wir sind seither nicht sonderlich klüger geworden. Die Geschehnisse im Vorfeld des Ukraine-Krieges beweisen es. Es ist an der Zeit, dass wir von der Literatur lernen, um Fake-News von Fakten unterscheiden und mit den Schwierigkeiten der Vorausschau besser umgehen zu können.

Jürgen Wertheimer, bis 2015 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen. Seit 2017 Leitung des „Projekt(s) Cassandra“ zur Früherkennung von Krisen durch Literaturauswertung und Autor zahlreicher Bücher zur europäischen Kulturgeschichte. Diese Veranstaltung ist eine Kooperation mit der Reinhold-Maier-Stiftung.

Eintritt frei. Anmeldung erforderlich unter E-Mail: literaturhaus@heilbronn.de oder Telefon: 07131 56-2668.